Trauer: Halt finden, wenn der Boden fehlt.
Der Verlust eines nahestehenden Menschen wird oft zuerst als Schock erlebt, der sich erst nach und nach setzt. Shiatsu kann in dieser Zeit einen behutsamen, körperlichen Halt geben.
Trauer ist ein zutiefst individueller Prozess — wie lange er dauert und wie er sich zeigt, lässt sich nicht in eine feste Regel pressen. Sehnsucht nach der verstorbenen Person, Momente der Geistesabwesenheit, plötzliche emotionale Wellen bei Erinnerungen: All das gehört zu einem gesunden Trauerprozess dazu, auch wenn er sich über Monate oder länger erstreckt. Wichtig ist weniger die Dauer als die Richtung — solange spürbar ist, dass sich etwas bewegt, ist der Prozess im Fluss.
Trauer aus Sicht der TCM
In der Traditionellen Chinesischen Medizin ist Trauer dem Element Metall zugeordnet, insbesondere der Lunge. Die Lunge steht unter anderem für die absteigende, loslassende Bewegung im Körper — genau jene Bewegung, die bei Trauer oft blockiert ist. Bleibt diese Energie über längere Zeit stecken, kann sich das körperlich als Verspannung in Nacken und Schultern zeigen, aber auch als Schwierigkeit, überhaupt loszulassen. Der Dickdarm, ebenfalls dem Metall zugeordnet, steht sinnbildlich für genau dieses Trennen von „Reinem und Unreinem", vom Nein-Sagen und Loslassen.
Wenn Trauer zu Erstarrung wird
Ein plötzlicher, unerwarteter Verlust kann traumatisch wirken — der Körper reagiert dann mit den bekannten Schutzmechanismen Kampf, Flucht oder Erstarrung. Ist weder Kampf noch Flucht möglich, bleibt oft die Erstarrung: eine Art inneres „Einfrieren", das sich in Rückzug, Gefühllosigkeit oder in einer Abspaltung von Körper und Gefühlen äußern kann. Diese Reaktion ist zutiefst menschlich und dient ursprünglich dem Überleben — sie darf nur nicht zum Dauerzustand werden.
Wie Shiatsu behutsam begleiten kann
Zu Beginn einer Begleitung steht meist das Element Wasser im Mittelpunkt: Ankommen, Vertrauen aufbauen, dem Nervensystem Sicherheit geben, ohne zu drängen. Erst wenn sich dieser Grund gefestigt hat, kann behutsam mehr Bewegung ins System kommen — über das Element Holz, das mit Wachstum und auch mit den oft unterdrückten Gefühlen wie Wut verbunden ist. Und über das Element Feuer, das für Vertrauen, Wärme und letztlich auch wieder für Freude steht. Wie viel wovon zum jeweiligen Zeitpunkt richtig ist, zeigt sich immer im Kontakt mit der Person auf der Matte — nie nach starrem Schema.